Le Concert des Nations - Barocktrompeten Ensemble Berlin

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Europäische Festmusiken des 18. Jahrhunderts
Le Concert des Nations
Europäische Festmusiken des 18. Jahrhunderts für großes Ensemble auf historischen Instrumenten
Trompeten, Oboen, Hörner, Fagotte, Pauken & Perkussion


Georg Friedrich Händel - "Music for the Royal Fireworks" Feuerwerksmusik HWV 351  (original version 1749 for wind & drums)
Marc Antoine Charpentier - Symphonie pour Te Deum
Michel-Robert Delalande - Symphonies pour les soupers du roi - Premier Caprice – Concert de Trompettes pour les festes sur le Canal de Versailles
Johann Friedrich Fasch - Concerto à tre chori

Konzeption & musikalische Leitung | Johann Plietzsch

Für das Programm wurden Kompositionen aus der Mitte des 18 Jahrhunderts ausgewählt, die als festliche Freiluftmusiken konzipiert worden sind.  Ausgangspunkt für die Programm- gestaltung war eine Handschrift die in der Sammlung der Amalienbibliothek - Deutsche Staatsbibliothek zu Berlin - unter der Signatur AmB 589 aufbewahrt wird.

Das Concerto à tre chori  wurde zunächst als anonyme Komposition katalogisiert, bis 1982 der Musikwissenschaftler Manfred Fechner die Autorschaft von Johann Friedrich Fasch (1688 - 1758) nachweisen konnte. Die ungewöhnlich große und klangprächtige Anlage des Stückes - in jedem der drei Chöre spielen drei Trompeten, Pauken, drei Oboen und Fagott - läßt die Annahme zu, daß es sich um eine Auftragskomposition für einen sehr repräsentativen Anlaß (für den Berliner Hof ?) handelt, jedoch ist eine Aufführung historisch nicht belegt. Die autographe Partitur ist eine Einzelüberlieferung - es sind weder zeitgenössische Abschriften bekannt, noch ist Stimmenmaterial vorhanden, das auf eine Aufführung in der Entstehungszeit hindeuten würde. Demnach haben wir wahrscheinlich die reizvolle Aufgabe, ein vor über 200 Jahren komponiertes Werk uraufzuführen. J. F. Fasch wurde nach seiner Ausbildung an der Thomasschule in Leipzig und zusätzlichen Studien bei Christoph Graupner in Darmstadt, 1722 in das Amt des Hofkapellmeisters nach Zerbst berufen, welches er bis zu seinem Tode 1758 inne hatte. Zerbst wurde 1709 fürstliche Residenz. Gleichzeitig begann dort der Aufbau der Hofkapelle, sodaß Fasch bei seinem Amtsantritt auf eine kleine, aber feine Orchestergruppe zurückgreifen konnte. Neben Sängern und Streichern ist durch die Gehaltslisten die Beschäftigung von neun Blechbläsern, darunter vier Trompetern in der Amtszeit von Fasch belegt. Das vorliegende Werk ist also mit Sicherheit nicht für Zerbst, sondern für einen großen Hof, der sich ein Stück mit neun Trompetern hat leisten können, komponiert worden.

Michel-Richard Delalande wurde am 15. Dezember 1657 in Paris geboren und lernte schon früh das Spiel auf der Orgel und dem Clavecin. 1683 wurde er  einer der Kapellmeister der Chapelle royal. Als „musicien officiel“ bekleidete er mehrere musikalische Ämter am Hof, so auch von 1689 bis 1719 das Amt des Generalintendanten der „musique de la chambre“. Als überaus  anerkannter und beliebter Musiker und Komponist wurde er von Ludwig XIV. und seinem Nachfolger Ludwig XV. mit Ehren überhäuft. In der Musik Delalandes sind der französische und der italienische Stil, ganz in der  Nachfolge M.A. Charpentiers vereint. Höhepunkte seines Werkes sind die „Grand motets“ für Solisten, Chor und Instrumentalensemble sowie seine Orchestersuiten, die „Symphonies por les souper du roy“. Von den  festlichen Musiken für den Versailler Hof, gerade unter Einbeziehung des königlichen Trompeter-Corps, existieren jeweils zwei Fassungen: Die eine für die „musique de la chambre“, bei der neben dem Trompetensatz (mit  nur drei Trompeten), Pauken und Holzbläsern auch Streicher mitwirkten, die andere, nur mit Bläsern und Percussion besetzte Fassung  für prachtvolle Freiluftkonzerte.

Neben dem "Messias" und der "Wassermusik" ist die "Musick for the Royal Fireworks" - die Feuerwerksmusik - eines der  populärsten Werke Georg Friedrich Händels. Sie enstand als Auftragswerk des englischen Hofes für einen Festakt in Gedenken des im Oktober 1748 geschlossenen Aachener Friedens. So sollte am 27. April 1749 im Londoner  Green Park Händels Musik als Begleitung zu einem großen Feuerwerk erklingen. König Georg II. überwachte selbst die Vorbereitungen zu dieser Feier. Diese verliefen zumindest was die Musik betraf nicht ganz  reibungslos. Händel konzipierte seine Musik mit einer gemischten Bläser- und Streicherbesetzung, während Georg II. nur militärische Instrumente (Bläser und Pauken) verwendet wissen wollte. Erst in letzter Minute hat  sich Händel dem königlichen Willen gebeugt.

Die Fireworks Music  ist in drei Fassungen überliefert. Fassung I besteht aus aus zwei frühen Varianten der Ouvertüre, die Chrysander  (Händel-Gesamtausgabe) als Concerto in F und Concerto in D  veröffentlichte. Fassung II ist die (leider nicht erhalten gebliebene) vollständige Partitur der Aufführung am 27. April 1749, bei der nur Bläser und  Pauken zum Einsatz kamen. Fassung III ist in Händels Autograph enthalten, das Chrysander als Vorlage für seine Druck-Ausgabe diente. Diese Fassung sieht die obligatorische Mitwirkung der Streicher vor. Zu ihren  Gunsten wurde die Anzahl der Bläser eingeschränkt. Dies ist vermutlich die am 27. Mai 1749 im Foundling Hospital erstaufgeführte "Konzertfassung" der Feuerwerksmusik für Bläser und Streicher, die  wahrscheinlich Händels ursprünglicher Konzeption am nächsten kommt. In unserem Projekt konzentrieren wir uns auf Fassung II, ausschließlich mit Bläsern und Pauken besetzt.

Die historischen Berichte gehen von mindestens 56 Musikern bei der Uraufführung aus. Leider ist in ihnen nichts über die Aufstellung und eventuelles  chorisches Musizieren überliefert. Letzteres ist, wenn man die Partitur der Feuerwerksmusik studiert, als höchst wahrscheinlich anzunehmen. Durch die Aufteilung des mehr als 30 Musiker umfassenden Ensembles in drei,  verschieden im Raum postionierte Bläserchöre à drei Trompeten, Pauken, drei Oboen und Fagott, entsteht ein mehrdimensionales, klangprächtiges Musikgemälde, das nicht nur durch die unterschiedlichen Farben der  Instrumente wirkt, sondern für den Zuhörer zum wahrhaft vollkommenen Begreifen von Raum, Zeit und Musik führt.
© Johann Plietzsch 2009

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